Wildschwein

© GerardM

Wissenschaftlicher Name: Sus scrofa

Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
Familie: Echte Schweine (Suidae)
Gattung: Sus
Art: Wildschwein

Größe: In Mitteleuropa erreichen Bachen eine Kopf-Rumpf-Länge von 130 bis 170 cm, Keiler erreichen eine Länge von 140 bis 180 cm. Das maximale Lebendgewicht von ausgewachsenen Bachen in Mitteleuropa liegt bei rund 150 kg und das von ausgewachsenen Keilern bei rund 200 kg.

Merkmale:

Die jagdlichen Bezeichnungen im Deutschen sind Keiler für ein männliches und Bache für ein weibliches Wildschwein sowie Frischling für ein frisch geborenes Jungtier.
Das Wildschwein hat einen gedrungenen und massiv wirkenden Körper. Der Körper wirkt in Vergleich zu den Beinen und dem Kopf überdimensional. Mit dem bis zu den Fersengelenken hinabreichendem und sehr beweglichem Schwanz signalisiert das Wildschwein durch Pendelbewegungen oder Anheben seine Stimmung. Das kräftige Gebiss besteht aus 44 Zähnen. Die oberen und unteren Eckzähne der Männchen krümmen sich aufwärts, bei Weibchen eher selten und dienen als Imponierorgane. Die unteren Eckzähne der normal ausgewachsenen Männchen sind in der Regel insgesamt ca. 20 cm lang ragen aber selten mehr als 10 cm aus dem Kiefer hinaus.
Ab dem fünften Lebensjahr sind Wildschweine vollkommen ausgewachsen.

Fell:

Im Winter ist das Fell der ausgewachsenen Tiere dunkelgrau bis Braun-schwarz mit langen borstigen Deckhaaren und kurzen feinen Wollhaaren. Das Fell dient vor allem der Wärmeregulation. Die glatten Deckhaare verhindern, dass die Haut beim Durchstreifen von Gestrüpp verletzt wird. Von der Stirn bis über den Rücken verläuft ein Kamm langer Borsten, der aufgestellt werden kann.
Im Frühjahr verliert das Wildschwein innerhalb von 3 Monaten das Winterfell und bekommt ein kurzes, wollhaarfreies Sommerfell mit hell gefärbten Haarspitzen. Im November ist der Wechsel von Sommer- zum Winterfell abgeschlossen. Die Fellfärbung ist regional unterschiedlich und reicht von Hellsandfarben oder weißlich bis hin zu Rötlich braun, hellbraun, gefleckt und im Spreewald schwarzgrau.
Die frisch geborenen Tiere haben ein hellgelb-braunes Fell mit vier bis fünf gelblichen Längsstreifen. Die Schulterpartie sowie die Hinterbeine sind gefleckt.

Gangarten:

Im Kreuzgang können die Tiere 3 bis 6 km in der Stunde zurücklegen. Im Trab können Wildschweine über eine sehr lange Zeit laufen und bis zu 10 km pro Stunde zurücklegen. Der Galopp ist der Flüchtgang der Wildschweine, kann aber nicht über einen längeren Zeitraum aufrecht erhalten werden.

Ernährung:

Wildschweine sind sehr anpassungsfähige Allesfresser. Mit ihrem kräftigen Gebiss sind sie in der Lage hartschalige Früchte aufzubrechen. Sie durchwühlen den Boden nach essbaren Wurzeln, Würmern, Engerlingen, Mäusen, Schnecken und Pilzen. Sie fressen auch Wasserpflanzen, Blätter, Triebe und Früchte zahlreicher Holzgewächse, Kräuter und Gräser. Als Allesfresser nehmen sie auch Aas und Abfälle an. Erhebliche Schäden fügen sie den landwirtschaftlichen Nutzflächen an, in dem sie besonderes gerne Frühkartoffeln und Getreidefe fressen. Mit dem Wühlen richen sie noch größeren Schaden an als durchs Fressen. In Mitteleuropa nimmt die Population vor allem durch den verstärkten Anbau von Mais sehr stark zu.

Verbreitung:

Das Wildschwein ist in ganz Eurasien sowie in Japan und in Teilen der südasiatischen Inselwelt verbreitet. Die Verbreitung des Wildtiers hat sich aufgrund menschlicher Eingriffe in den letzten Jahrhunderten sehr verändert. Durch die Bejagung ist das Wildschwein in England bereits zu Beginn des 17. Jahrhunderts, in Dänemark Anfang des 19. Jahrhunderts ausgerottet worden.

Lebensraum:

Wildschweine sind äußertst anpawsungsfähig. Sie leben sowohl in trockenen Gegenden als auch im borealer Nadelwald, in schilfbewachsenen Sumpfgebieten und im immergrünen Regenwald. Die nördliche Verbreitung wird durch den über längere Zeit gefrorenen Boden begrenzt, der es verhindert an unterirdische Nahrungsreserven zu gelangen. Daher fehlen Wildschweine auch in Hochgebirgslagen.
In den Laub- und Mischwäldern mit sumpfigen Regionen und wiesenähnlichen Lichtungen Mitteleuropas entwickeln Wildschweine die höchste Bestandsdichte.
Den subtropischen und tropischen Klimabedingungen passen sich Wildschweine durch eine Reduktion des Haarkleides an.

© Dave Pape - Bache mit Frischlingen

Fortpflanzung:

Weibliche Jungtiere können bereits nach 8 bis 10 Monaten geschlechtsreif werden, männliche Tiere erst im zweiten Lebensjahr.
In Mitteleuropa findent die Paarung von November bis Februar statt und erreicht den Höhepunkt im Dezember. Der Beginn der Paarungszeit, vom Jäger Rauschzeit genannt, wird von den Bachen bestimmt. Die Männchen sind das ganze Jahr über befruchtungsfähig.

Paarungssynchronisation:

In sozial intakter Familienverbänden synchronisiert das älteste fortpflanzungsfähige Weibchen, die Leitbache, die Paarungsbereitschaft aller Bachen in der Rotte. Sie verhindert auch die Paarungsbereitschaft juveniler weiblicher Rottenmitgliedern.
Fehlt der steuernde Einfluss älterer Tiere auf das Paarungsgeschehen so kann es zu unkontrollierten Vermehrungen kommen.
Die Tragezeit der Weibchen beträgt etwa 114 bis 118 Tage. In Mitteleuropa kommen die Jungtiere meist in der Zeit von März bis Mai zur Welt. Gehört das Weibchen zu einer Rotte, trennt es sich von dieser und geht seinen eigenen Weg, bis die Jungen groß genug sind, um mit der Rotte mitzuhalten.

Sozialverhalten:

Wildschweine leben typischer Weise in Mutterfamilien, die aus einem Weibchen mit ihrem letzten Nachwuchs bestehen, im Harem oder in Gruppen vorjähriger Tiere zusammen. Fremde Tiere werden in der Regel nicht in solche Gruppen aufgenommen. Unterschiedliche Gruppen halten voneinander Abstand. Vorjährige Männchen werden aus der Gruppe vertrieben und leben dann in der Regel für mindestens ein Jahr in einem eigenen Verband. Ausgewahchsene männliche Tiere leben meist einzelgängerisch. Während der Paarungszeit von November bis Januar schließen sie sich einzeln Mutterfamilien an, der Kontakt bleibt jedoch lose.

Fressfeinde:

Die natürlichen Feinde sind der Tiger, Wolf, Braunbär und Luchs. Fuchs, Wildkatze und Uhu jagen gelegentlich Jungtiere.

Krankheiten:

Wildschweine sind Hauptüberträger der Schweinepest auf Hausschweinbestände und Wirte für Trichinen. Deswegen muss Wildschweinfleisch vor der Verwertung einer Trichinenuntersuchung unterzogen werden. Im extremfall kann die Trichinose beim Menschen tödlich enden.

Lebenserwartung:

Weniger als 10 % der neugeborener Wildschweine erreichen das vierte Lebensjahr. Mit fünf bis sieben sind die Wildschweine ausgewaschsen und werden nicht wesentlich älter. In Gefangenschaft erreichen sie ein wesentlich höheres Lebensalter, im Einzelfall bis zu 21 Jahren.

 

Gefährdungssituation:

Die Weltnaturschutzunion IUCN führt das Wilschwein trotz seiner lokalen Gefährdung nicht in der Roten Liste gefährdeter Arten.

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